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25-jähriges Schuljubiläum im Jahr 2010

Presseartikel im Merkur vom 17.06.2010

Grafing – 25 Jahre Erfolg. 25 Jahre Vorurteile. Und längst keine Endstation. Am Samstag feiert die Comenius-Schule ihr 25-jähriges Bestehen. Die Geschichte einer Revolution.

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„Früher gab’s eine Zwangsüberweisung“: Schulleiterin Helga Burghard. Foto: Stefan Rossmann

Es war eine Revolution. Eine Revolution im Förderschulbereich. Diagnose-Förderklassen schnellten aus dem Boden, Moto-Pädagogen, die Schüler in Bewegung hielten, bejubelten ihren Durchbruch. 1985 war Revolutionszeit. Das Jahr, in dem die Grafinger die Johann-Comenius-Schule einweihten. Am Samstag, 19. Juni, feiert das Sonderpädagogische Förderzentrum mit einem großen Schulfest sein 25-Jähriges.

25 Jahre Erfolg, aber auch 25 Jahre Vorturteile: „Förderschule wird noch heute oft als außerhalb der Normalität empfunden“, sagt Schulleiterin Helga Burghard. Aber: „Wir sehen es als Chance für die Kinder, das bestmögliche aus ihnen herauszuholen. Und ihnen den Druck der Grundschule zu nehmen.“

Der Makel, der an der Comenius-Schule am Anfang klebte, lässt sich an der Geschichte ihrer Namen ablesen: Hilfsschule, Sonderschule. Namen, die heute noch im Volksmund rotieren. Dann die Besserung: Schule zur individuellen Lernförderung und schließlich Sonderpädagogisches Förderzentrum.

„Die ersten Jahre waren unsere Klassen in der Grafinger Grundschule untergebracht“, sagt Burghard. Das begann vor 40 Jahren. Später siedelten sie in das Vhs-Gebäude um, wo sie bis 1985 blieben. 1985 eröffnete die Comenius-Schule an der Kapellenstraße mit zehn Klassen. Die Schulleitung übernahm Christoph Sontag. Heute zählt sie 17 Klassen und zwei schulvorbereitende Einrichtungen.

„Früher“, erinnert sich Burghard, „gab es eine Zwangsüberweisung an die Förderschule.“ Immer dann, wenn ein Kind zweimal in Grund- oder Hauptschule durchgefallen war. Jetzt können die Eltern sogar ablehnen. Burghard warnt vor diesem Schritt: „In diesen Fällen fällt ein Kind Jahre später total in den Brunnen.“

„Mit den Gründen, die Kinder zu uns führen, haben die Eltern oft nichts zu tun.“ Zum Beispiel: Entwicklungsverzögerungen, die durch einen Sauerstoffmangel bei der Geburt entstehen oder Verhaltenauffälligkeiten wie ADHS. „Meist kriegen wir Kinder, die an der Grundschule gescheitert sind.“ Kinder, die einfach langsamer lernen, stottern oder emotional-soziale Rückstände haben. Kinder, die keine Grenzen kennen.

Die Förderschule ist längst keine Endstation: „Nach der DFK kehren 30 bis 40 Prozent an die Grundschule zurück.“ In den DFKs, den Diagnose-Förderklassen, kann der Lehrplan der ersten und zweiten Klasse in drei Jahren durchgenommen werden. In Kooperationsklassen begleiten Sonderpädagogen Jugendliche an der Hauptschule. „Wir sind bemüht, Kinder, die es schaffen, an das Volksschulsystem anzugliedern.“

Eine ganze Abkürzungsflut fängt die Comenius-Schüler nach der 9. Klasse auf: Das BVJ, das Berufsvorbereitungsjahr am Kirchseeoner Berufsbildungswerk, nach dem Schüler den Quali bekommen. Die BVB, eine Berufsvorbereitung durch das Arbeitsamt.

Der Optimalfall: „Wenn die Schüler nach der SDW, der Sonderpädagogischen Diagnose- und Werkstattklasse, eine Lehrstelle finden“, so Burghard. Das heißt übersetzt: In den letzten beiden Schuljahren machen die Schüler zwei Praktika. Und arbeiten dann ein Mal pro Woche in einem Betrieb.

Ihren 25. Geburtstag will die Schule am Samstag ab 10 Uhr mit lauten Trommeln, dem Maulwurf-Rock, einem Tanz der SVE und ordentlich Prominenz feiern. Geladen sind Irmgard Doll-Edlfurtner von der Regierung Oberbayern und Landrat Gottlieb Fauth.

Von Marlene Kadach